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Investieren in Anleihen – Ein hoffnungsloses Unterfangen?

Das derzeit niedrige Renditeumfeld, potenzielle Verlustrisiken, kombiniert mit geringer Marktliquidität und hohen Korrelationsrisiken, verlangen nach neuen Portfoliolösungen im Fixed-Income-Bereich. Heute kann man nicht mehr über den risikolosen Zins diskutieren, sondern man muss über das zinslose Risiko nachdenken. Seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise werden die Anleihenmärkte vornehmlich von den direkten und indirekten Auswirkungen der expansiven Geldpolitik bestimmt, welche die Zinsen auf Rekordtiefs oder sogar in den negativen Bereich gedrückt hat.

Anlagestrategie als Erfolgsfaktor

Angesichts der zahlreichen Risikofaktoren und der Unsicherheit über die weitere Marktentwicklung wird die Wahl der richtigen Strategie zum Schlüsselelement. Im Folgenden werden vier Anlageansätze mit unterschiedlichen Risiko- und Renditeerwartungen vorgestellt, die auch im aktuellen Umfeld überzeugen. Durch die Kombination der verschiedenen Anlagemöglichkeiten lassen sich zudem interessante und wenig korrelierte Lösungen erzielen.

Unternehmensanleihen mit kurzen/mittleren Laufzeiten

Da die quantitative Lockerung allmählich zu Ende geht und sich die Geldpolitik normalisieren dürfte, bleibt das Zinsrisiko ein wichtiges Thema. Anleger sollten sich so positionieren, dass sie auch bei einem ungünstigen Zinsumfeld gut aufgestellt sind. Als Lösung kommen Unternehmensanleihen mit mittleren Laufzeiten in Betracht, die eine vergleichsweise interessante Rendite bieten und von der Steilheit der Zinskurve durch den Roll-down-Effekt profitieren können. Selbst nach Absicherung der Zinsrisiken auf eine Restlaufzeit von einem bis drei Jahren ist ihre Rendite höher als bei vergleichbaren Kurzläufern derselben Emittenten. Aufgrund der Zinsabsicherung ist die Sensitivität gegenüber Zinsänderungen (Duration) gering und ermöglicht einen guten Schutz vor steigenden Zinsen.

Unternehmensanleihen von Schwellenländern

Viele Schwellenländer erwirtschaften heute Überschüsse und die Bilanzen des Staats und der Privathaushalte sind vielfach solider aufgestellt als in Industrieländern. Gleichzeitig sind diese Länder aufgrund höherer Devisenreserven und niedriger Verschuldung mittlerweile wesentlich besser in der Lage, Druck aus dem Ausland zu widerstehen. Trotz der guten Verfassung, in der sich viele Schwellenländer präsentieren, ist es unbedingt notwendig, zu differenzieren. Unter den Emerging Markets gibt es auch Länder, die immer noch Leistungsbilanzdefizite aufweisen oder unter strukturellen Problemen leiden. Berücksichtigt man das zukünftige Wachstumspotenzial, dann ist die Region Asien definitiv eine attraktive Anlageoption. In vielen asiatischen Ländern wurden die Kreditratings angehoben und sind inzwischen besser als die ihrer westlichen Pendants. Auf risikobereinigter Basis erscheinen uns Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern im Vergleich zu US-Kredittiteln sehr attraktiv.

Absolute-Return-Ansätze

Sich gänzlich auf Carry-Ansätze zu verlassen, deren kurzfristige Wertentwicklung stark von der Fortsetzung des heutigen Umfelds mit stabilen oder sinken Zinsen und Kreditrisikoprämien abhängt, ist für Fixed-Income-Anleger mit hohen Risiken verbunden. Alternative Anlageansätze wie Trendfolgestrategien, die sowohl in steigenden als auch sinkenden Märkten positive Renditen erwirtschaften können, bieten eine attraktive Ergänzung zu diesen momentan vorherrschenden – auf die Verfallrendite fokussierenden – Long-only-Anlagekonzepten. Sie haben historisch eine attraktive Wertentwicklung gezeigt, sind nur gering mit traditionellen Long-only-Konzepten korreliert und tragen daher dazu bei, das Risikoprofil eines global ausgerichteten Fixed-Income-Portfolios zu verbessern. Ziel ist die Generierung von positiven Renditen, unabhängig vom aktuellen Kredit- und Zinszyklus, durch aktive Diversifikation über verschiedene Renditequellen. So können Renditen, die nur wenig mit traditionellen Anlageklassen und anderen Fixed-Income-Segmenten korrelieren, erzielt werden.

Wandelanleihen

Für Anleger, die am Potenzial der Aktienmärkte teilhaben möchten, aber nicht bereit sind, alle damit verbundenen Risiken zu tragen, bietet sich eine Anlage in Wandelanleihen an. Da Wandelanleihen ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil besitzen, ermöglichen sie den Investoren, an steigenden Aktienkursen zu partizipieren. Gleichzeitig sind Anleger Marktkorrekturen weit weniger ausgesetzt als bei Direktinvestitionen in Aktien. Für Investoren traditioneller Festzinsanleihen, die auf der Suche nach ertragsstarken Anlage-Alternativen sind, stellen Wandelanleihen eine interessante Wahl dar. Aufgrund ihrer Aktienoptionskomponente bieten sie eine bessere Ertragsperspektive, was im aktuellen Niedrigzinsumfeld sehr gefragt ist. Eine weitere wichtige Eigenschaft von Wandelanleihen ist ihre niedrigere Zinssensitivität, die im Falle von Zinsänderungen zur Risikoabfederung beitragen kann. Im Rückblick zeigt sich, dass in Perioden steigender Zinsen mit Wandelanleihen mehrheitlich 2 bemerkenswert attraktive Renditen erwirtschaftet wurden. Dabei konnte der negative Effekt steigender Zinsen während dieser Zeiträume durch den positiven Beitrag der Aktienoptionskomponente der Wandelanleihen kompensiert werden.

Anlagestrategie als Erfolgsfaktor

Sie sehen: durch die Kombination verschiedener Anlagemöglichkeiten, mit unterschiedlichen Risiko- und Renditeerwartungen, lassen sich interessante und wenig korrelierte Lösungen erzielen. Bei der Konstruktion eines Anleiheportfolios sind hohe Liquiditätsquoten, alternative Anlagesätze und selektive Opportunitäten wichtig, um so das hoffnungslose Unterfangen zu vermeiden.

Ralph Geiger | Credit Suisse Asset Management